Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten

Holocaust-Überlebende berichten

Ein Video-Archiv gegen das Vergessen

Sie können gerne unsere neue 6-seitige Informationsbroschüre im PDF-Format herunterladen.

Neuigkeiten

Auschwitz: Zeichen der Hoffnung am schrecklichsten Ort

5.4.2019

In einem längeren Artikel hat Timo Roller seine Eindrücke von unserer Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau vom 3. bis 7. März 2019 beschrieben.

Zum Artikel »Zeichen der Hoffnung am schrecklichsten Ort«.

Neue Beiträge online

7.2.2019

Gedenkabend mit Holocaust-Überlebenden

Ein bewegender Gedenkabend auf dem Gemeinde-Israel-Kongress 2018 in Berlin. Franz und Petra Michalski sowie Siegbert Aron erzählen von ihrem Schicksal. In einem weiteren Interview geht es um die Gegenwart und Zukunft: Assia Gorban und Salomea Genin prangerten die zuweilen oberflächliche Gedenkkultur an.

Gedenkabend am 9. November 2018 in Berlin, Deutschland.

Tomi Breuer (in Bad Liebenzell)

Zweimal hing das Leben von Tomi Breuer am seidenen Faden, der Irrtum eines Bahnangestellten führte ihn nach Wien ins Ghetto, obwohl sein Transport zum Vernichtungslager nach Auschwitz unterwegs war. Später – zur Zeit der Umbrüche in Ungarn, sollte er als jüdischer Teenager ebenfalls ermordet werden, es gelang ihm aber die Flucht.

Vortrag am 27. Januar 2019 in Bad Liebenzell, Deutschland.

Tomi Breuer (in Wildberg)

Zweimal hing das Leben von Tomi Breuer am seidenen Faden, der Irrtum eines Bahnangestellten führte ihn nach Wien ins Ghetto, obwohl sein Transport zum Vernichtungslager nach Auschwitz unterwegs war. Später – zur Zeit der Umbrüche in Ungarn, sollte er als jüdischer Teenager ebenfalls ermordet werden, es gelang ihm aber die Flucht.

Vortrag am 28. Januar 2019 in Wildberg, Deutschland.

Projektvorstellung durch Schuldekan Thorsten Trautwein

Anlässlich des Vortragsabends mit Tomi Breuer zum Holocaust-Gedenktag stellte Schuldekan und Projektpartner Thorsten Trautwein das Papierblatt-Projekt vor.

Projektvorstellung am 27. Januar 2019 in Bad Liebenzell, Deutschland.

 

Als Kind im Zug nach Wien – statt nach Auschwitz

7.2.2019, siehe auch auf der Website von Zedakah sowie im Schwarzwälder Boten am 4.2.2019

Tomi Breuer hat überlebt. Er kann sich nicht daran erinnern, denn er war noch ein kleines Kind: Die Weiche auf dem Weg nach Auschwitz war für ihn in Richtung Überleben gestellt. Er kam ins Arbeitslager nach Wien, nicht ins Vernichtungslager. Und mit ihm seine Mutter, die eigentlich im anderen Zug sein sollte. In jenem mit den arbeitsfähigen Menschen, die nach Wien sollten, aber durch die Verwechslung nach Auschwitz kamen. In Wien kamen nun die Kranken, Alten und Kinder an, denen sie sich wegen ihres zweijährigen Sohnes Tomi anschloss und damit eigentlich ihr Leben wegwarf. Sie wurde später über 90 Jahre alt. Es ist auffällig, dass viele Holocaust-Überlebende sehr alt werden.

Er wollte seiner Mutter nie zuhören, als sie über diese Zeit erzählte. Tomi Breuer konnte es nicht ertragen, wenn sie dabei weinte. Sie erzählte viel, im Gegensatz zu anderen, die schwiegen. Tomis Frau und seine Kinder hatten aber für ihn das Zuhören übernommen. Nach dem Tod der Mutter erfuhr er von ihnen wie es ihr – und auch ihm – damals ergangen war.

Zweimal hing das Leben von Tomi Breuer am seidenen Faden, zunächst dieser Irrtum eines Bahnangestellten, der ihn mit seiner Familie nach Wien führte. Und auch später noch einmal, im Jahr 1956, zur Zeit der Umbrüche in Ungarn, sollte er als jüdischer Teenager ebenfalls ermordet werden, es gelang ihm aber die Flucht. Schließlich konnte er per Schiff nach Israel einreisen, in seine neue und endgültige Heimat. Hier war er nicht nur geduldet, sondern willkommen – verfolgte Juden aus aller Welt waren im Land ihrer Vorväter zu Israelis geworden.

Tomi Breuer erzählt im Kurhaus Bad Liebenzell seine bewegende Lebensgeschichte.

Er hat sein Schicksal rekonstruiert und erzählt es mit vielen Bildern weiter. 80 Zehntklässler hörten ihm am Montag im Musiksaal des Bildungszentrums in Wildberg gebannt zu. Auch einige Lehrer waren mit dabei. Am Tag zuvor – am Gedenktag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 – berichtete er vor 200 Besuchern in Bad Liebenzell, wo das Hilfswerk Zedakah e.V. eine Veranstaltung initiiert hat. Mit einem Altenpflegeheim und einem Erholungsheim tut das Werk mit Sitz im Liebenzeller Teilort Maisenbach bereits seit fast 60 Jahren einen wertvollen Dienst praktischer Nächstenliebe an Holocaust-Überlebenden im Norden Israels. Aus dieser Arbeit heraus ist auch Medienprojekt »Papierblatt« entstanden: Eine Internetplattform mit Videointerviews von Zeitzeugen, das zusätzlich pädagogisches Begleitmaterial enthält.

Doch solange die Überlebenden noch da sind, reisen und sprechen können, erzählen sie selbst. Tomi Breuer wirkt nicht verbittert oder macht uns Deutschen Vorwürfe. Er redet versöhnlich, optimistisch, dankbar, liebevoll. Dies sagt er zum Schluss zu den Zuhörern: »Ich liebe euch.« Sein Besuch brachte bewegende Begegnungen. Und machte Mut, aus der Erinnerung Taten folgen zu lassen. Taten der Versöhnung, des Trostes und des gegenseiten Lernens und der Zusammenarbeit.

Tomi Breuer mit Übersetzerin Judith Rentschler und der Kamera für die »Papierblatt«-Aufnahme im Bildungszentrum Wildberg.

 

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