Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten

Ronny Reich

Interview am 28. März 2017 in Jerusalem, Israel
Berichtet von ihrem Sohn Ronny Reich

Ronny Reich wurde nach 1945 geboren, ist Archäologe und lebt in Modi'in in Israel. Er erzählt von seiner Mutter Herta Reich, die aus der österreichischen Stadt Mürzzuschlag stammt, von wo sie während des Zweiten Weltkrieges geflohen ist.

Inhaltsübersicht

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1938 ist Ronny Reichs Mutter Herta Reich aus der kleinen Stadt Mürzzuschlag in der Steiermark geflohen. Sie wurde mit 21 Jahren verbannt, ihre Familie später. Das Vermögen und das Haus wurden eingezogen. Die Familie wurde in ganz Europa zerstreut. Es hat sechs Jahre gedauert, bis sie nach Palästina kam. Zunächst floh sie durch ganz Österreich, ein Fluchtversuch nach Belgien misslang. Mit einem Donauschlepper kam sie nach Jugoslawien in ein Camp. Dort waren auch Juden, die aus Polen geflohen waren. Dort hat man die Juden versammelt, aber nichts mit ihnen gemacht. Die Mutter verliebte sich in einen Mann, Ronny Reichs Vater. Sie flohen und das hat ihr Leben gerettet, da die Deutschen wenig später einmarschiert sind. Dabei sind 1000 Juden getötet worden. Die 200 jungen Juden konnten nach Palästina fliehen. Ihre Flucht führte sie über Rom. Dort konnten sie in der Nähe auf einem kleinen Bauernhof in der Landwirtschaft arbeiten. Über Ägypten kamen sie dann nach Palästina.

02:58 - 04:06

 

Über die Flucht hat Ronny Reichs Mutter Herta ein Buch geschrieben: »Zwei Tage Zeit«. Ronny Reich bekam eine Mail vom Bürgermeister von Mürzzuschlag. Er fragte an, ob sie etwas dagegen hätten, das Gymnasium nach der Mutter zu benennen. Dies wurde dann auch gemacht. Ronny Reich ist dort jedes Jahr und hält einen Vortrag.

04:06 - 05:13

 

Ronny Reich erzählt von jungen polnischen Juden. Als die Deutschen Belgrad bombardierten, sind sie in die Botschaft gegangen und haben leere Pässe mitgenommen und ausgestellt. Sie haben sich als Christen eingetragen, da ihnen dies bei der Flucht hilfreich war.

05:13 - 06:40

 

Ronny Reich ist die zweite Generation. Viele dieser Menschen hatten es nicht einfach. Ronny Reich hat vom Holocaust durch einen Freund erfahren. Er erzählte ihm von seinen Geschwistern, die getötet wurden.

06:40 - 8:02

 

Ronny Reich berichtet, dass es immer noch Leute gibt, die bestreiten, dass der Holocaust passiert ist. Seine Mutter hatte nichts gegen die neue Generation von Österreichern. Sie haben sie oft besucht und wegen ihres Buches interviewt.