Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten

Holocaust-Überlebende berichten

Ein Video-Archiv gegen das Vergessen

Zeitzeugen

Die Kamera läuft. Jüdische Menschen erzählen ihre Lebensgeschichte, berichten von den schrecklichen Ereignissen während der Naziherrschaft. Sie haben den Holocaust (die Schoah) überlebt.

Sechs Millionen Juden wurden umgebracht. Die Zeugnisse der Überlebenden dürfen nicht verloren gehen, sondern sollen die Erinnerung an damals wachhalten. Darum ist das Video-Projekt »Papierblatt« entstanden. »Papierblatt« ist ein jüdischer Nachname, der allein durch das Überleben von Mordechai Papirblat heute noch existiert. Ein Name als Denkmal! Ein Projekt gegen das Vergessen und gegen neu aufkeimenden Antisemitismus!

Tomi Breuer

Tomi Breuer kommt im März 1942 im ungarischen Debrecen zur Welt. Bereits die Umstände seiner Geburt sind durch die deutsche Besatzung gekennzeichnet. Seinen Vater lernt er nie kennen. Als Zweijähriger soll er zusammen mit anderen arbeitsunfähigen Menschen nach Auschwitz transportiert werden. Doch der Irrtum eines Bahnangestellten führt ihn nach Wien ins Ghetto, wo Breuer zusammen mit seiner Mutter und deren Eltern den Holocaust überlebt. Aber auch im kommunistischen Ungarn ist sein Leben mehrmals bedroht, so dass er als 14Jähriger nach Israel flieht.

Vortrag am 28. Januar 2019 in Wildberg, Deutschland

Tomi Breuer

Tomi Breuer kommt im März 1942 im ungarischen Debrecen zur Welt. Bereits die Umstände seiner Geburt sind durch die deutsche Besatzung gekennzeichnet. Seinen Vater lernt er nie kennen. Als Zweijähriger soll er zusammen mit anderen arbeitsunfähigen Menschen nach Auschwitz transportiert werden. Doch der Irrtum eines Bahnangestellten führt ihn nach Wien ins Ghetto, wo Breuer zusammen mit seiner Mutter und deren Eltern den Holocaust überlebt. Aber auch im kommunistischen Ungarn ist sein Leben mehrmals bedroht, so dass er als 14Jähriger nach Israel flieht.

Vortrag am 27. Januar 2019 in Bad Liebenzell, Deutschland

Ilan Brunner

Als sich Ilan Brunners Eltern dafür entscheiden, ihre beiden Söhne nach England zu schicken, stößt die Entscheidung im Bekanntenkreis auf tiefe Ablehnung. Doch sie rettet letztlich der gesamten Familie das Leben. Die Jahre 1939 bis 1945 in England verbindet Ilan Brunner einerseits mit einer großen Freiheit und Selbstständigkeit, andererseits fühlte er sich oft auch sehr einsam. Schlimm waren vor allem die vielen Stunden im Luftschutzkeller, die er dort – allein mit seiner Angst – verbringen musste. In den beruflich bedingt zahlreichen Begegnungen mit Deutschen nach dem Krieg, fällt es ihm oftmals schwer, mit dem Schweigen oder dem Beteuern persönlicher Unschuld umzugehen.

Vortrag am 30. Mai 2018 in Bad Liebenzell-Maisenbach, Deutschland

Daniel Chanoch

Im Jahr als Daniel Chanoch eingeschult wird, bricht gerade der 2. Weltkrieg aus. Doch die eigentliche Wende in seinem Leben kommt mit dem Einmarsch der Deutschen in Litauen 1941. Jüdische Einrichtungen wie seine Schule werden geschlossen, alle jüdischen Einwohner werden ins KZ Kauen gebracht, bis auch dieses 1944 geschlossen und die Häftlinge auf andere Lager verteilt werden. Die Spuren von Mutter und Schwester verlieren sich im KZ Stutthof, auch der Vater kommt im Holocaust ums Leben. Daniel Chanoch hat, wie er es nennt »pures Glück«, dass er selbst gleich mehrere Säuberungsaktionen übersteht, und als sein Leben in der Hand des KZ-Arztes Mengele liegt, auch da einen guten Moment erwischt.

Vortrag am 10. Oktober 2016 in Calw, Deutschland

Ascher Engel

Als Ascher Engel mit seinen Eltern 1941 ins Ghetto Mogiljow gebracht wird, ist er gerade einmal drei Jahre alt. Wie seine Eltern die Zugfahrt und den langen Marsch ins Lager mit ihm als Kleinkind bewältigt haben, kann er sich heute noch nicht vorstellen. Im Lager entwickelt er eine besondere Freundschaft zu einem kleinen Mischlingshund, der ihn regelmäßig vor den Wachleuten warnt. Bis diese ihn eines Tages erschießen, weil sie sein Bellen stört. Auch sonst ist das Leben im Lager gefährlich. Sein Vater erkrankt schwer, und schon der Gang zum Wasserholen kann das Leben kosten. Nach der Befreiung kehrt die Familie zunächst in ihre Heimatstadt Tschernowitz zurück, bevor sie über Rumänien nach Israel auswandert.

Interview am 19. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Gedenkabend mit Holocaust-Überlebenden

Ein bewegender Gedenkabend auf dem Gemeinde-Israel-Kongress 2018 in Berlin. Franz und Petra Michalski sowie Siegbert Aron erzählen von ihrem Schicksal. In einem weiteren Interview geht es um die Gegenwart und Zukunft: Assia Gorban und Salomea Genin prangern die zuweilen oberflächliche Gedenkkultur an.

Vortrag am 9. November 2018 in Berlin, Deutschland

Amira Gezow

Amira Gezow lebt mit ihren Eltern im Deutschland der 30er Jahre an verschiedenen Stationen. Der Vater ist ein reger Unternehmer, der dank hohem Arbeitseinsatz mehrmals den Neuanfang schafft, nachdem man ihm sein Eigentum genommen hat. Er fühlt und denkt als Deutscher, während die Mutter stärker durch den jüdischen Glauben geprägt ist. Obwohl beide hohes Ansehen genießen und völlig in die deutsche Gesellschaft integriert sind, wird die Familie nach Frankreich deportiert. Der Aufenthalt in den Lagern Gurs und Rivesaltes sowie dem Kinderheim La Jonchère prägt Amira Gezows Kindheit. 1942 führt ihr Weg sie mithilfe der Schwestern des Roten Kreuzes in die Schweiz, während beide Eltern in Auschwitz den Tod finden. Bis zu ihrem Tod am 26.12.2020 wohnte Amira Gezow im Kibbuz Elon.

Interview am 22. Juli 2013 in Kibbuz Eilon, Israel

Magda Goldner

Magda Goldner stammt aus Levice in Ungarn. Als ungarische Jüdin wurde sie mit ihrer Familie im Jahre 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte mehrere Vernichtungsversuche ebenso die harte Zwangsarbeit und am Ende den sog. »Todesmarsch«. Nach über einem Jahr des Grauens konnte Magda Goldner mit ihrer Mutter und ihrer Schwester wieder nach Levice zurückkehren. 1994 wanderte sie nach Israel aus.

Interview am 18. Juli 2013 in Kiryat Ata, Israel

Jizchak Haber

Jizchak Haber (Jg. 1925) stammt aus Dynow in Polen. In der Nacht vom 18. zum 19. September 1939 überfallen Nazis seine Heimatstadt Stadt, brennen die Synagoge nieder und ermorden 300 bis 400 Juden durch Hinrichtungskommandos im Wald. Grauenvolle Szenen spielen sich ab. Der junge Jizchak überlebt und wird von den Russen ins fast 5.000 Kilometer entfernte Nowosibirsk deportiert. Später ergibt sich die Möglichkeit, zusammen mit Armee-Einheiten nach Teheran zu gelangen, von dort geht es schließlich per Schiff über Umwege nach Israel. Insgesamt legt er dabei von seiner Heimat aus 20.000 Kilometer zurück.

Vortrag am 1. Mai 2018 in Bad Liebenzell-Maisenbach, Deutschland

Andrew Hilkowitz

Andrew Hilkowitz verdeutlicht anhand seiner eigenen Lebensgeschichte, dass die Auswirkungen des Holocausts weiter reichen, als man im ersten Moment denkt. Als Kind deutscher Juden 1941 in Manchester geboren und aufgewachsen, kommt er mit sechs Jahren nach Berlin, wo er kein Wort versteht. Das Erlebnis wiederholt sich noch zweimal. Zunächst als er zu Beginn der 1950er Jahre mit seinem Vater und seiner Schwester nach Israel in einen Kibbuz auswandert, wo ihm nicht nur die Sprache sondern auch die Kultur völlig fremd ist. Und dann ein weiteres Mal, als er zwei Jahre später zu seiner Mutter nach München zurückkehrt, wo er dem Unterricht seines bayerischen Lehrers wegen dessen Dialekts erneut nicht folgen kann.

Vortrag am 28. Juni 2018 in Calw, Deutschland

Pavel Hoffmann

Pavel Hoffmann ist es ein wichtiges Anliegen, Menschen für alle Formen des offenen und versteckten Antisemitismus zu sensibilisieren. Er geht zu Beginn und am Ende des Vortrags auf verschiedene, auch aktuelle Beispiele ein. Er zeigt auf, warum das jüdische Volk nie mehr wehrlos die Opferrolle einnehmen möchte.

Am Beispiel seiner Familiengeschichte verdeutlicht Pavel Hoffmann, wie die Besetzung des Sudetenlandes, und später weiterer Landesteile, sich immer stärker auf Arbeit, Eigentum und Alltag der jüdischen Bevölkerung auswirkten. Er selbst verliert seine Familie und ist bereits als Vierjähriger im KZ Theresienstadt auf sich allein gestellt. Wie durch ein Wunder überlebt er dennoch und wird nach dem Krieg von einem jüdischen Ehepaar adoptiert.

Vortrag am 27. Januar 2017 in Bad Liebenzell, Deutschland

Zvi Kalisher

Zvi Kalisher wurde im Jahr 1939 von seinen Eltern – polnischen Juden – getrennt und entkam auf sich allein gestellt Hunger, Verfolgung und Tod. Er floh nach Israel, wo ihn im neuen Staat weitere Schrecken des Krieges erwarteten. Seine Geschichte erschien im Buch »Zvi – ein polnischer Junge auf der Flucht nach Israel« von Elwood McQuaid auch in deutscher Sprache.

Vortrag am 15. Mai 2002 in Sulz am Eck, Deutschland

Josef Kalmanovicz

Josef Kalmanovicz wurde 1925 im damals polnischen Smorgon, einem Zentrum jüdischer Kultur, geboren. Als die Wehrmacht Smorgon 1941 besetzte, kam er zu einer deutschen Stellungsgruppe, deren Mitglieder er als sehr freundlich beschreibt. Er arbeitete dort in der Küche, später dann beim Eisenbahnbau und als Holzfäller. 1943 wurden seine Eltern umgebracht, er selbst konnte in die Wälder fliehen, wo er sich einer russischen Partisanengruppe anschloss. Nach dem Krieg blieb er bis 1957 in Europa, ehe er nach Israel auswanderte.

Interview am 21. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Ernest Kolman

Ernest Kolman berichtet im Rahmen einer Gedenkwoche im oberen Nagoldtal von seiner eigenen Geschichte und dem Schicksal seiner beiden Cousinen, Ruth und Rosemarie Marx, die ihre Wurzeln im Nordschwarzwald haben. Deren Vater, Dr. Eugen Marx, war ein beliebter Arzt, bis ihm die Nationalsozialisten die Ausübung des Berufs unmöglich machten. E. Kolman schildert u.a. seine eindrücklichen Erinnerungen an die Reichskristallnacht und betont mehrfach, wie unbegreiflich es ihm ist, dass sich ganz normale intelligente Leute in Massen der nationalsozialistischen Bewegung angeschlossen haben. Er selbst fand als 12-Jähriger in England Aufnahme. Doch auch dort waren die ersten Jahre schwierig, nicht nur, weil er ganz auf sich allein gestellt war, sondern weil er als Deutscher zum Feind gehörte.

Vortrag am 29. September 2016 in Nagold, Deutschland

Ruth Krammer

Ruth Krammer wurde in Hildesheim als Kind einer wohlhabenden Familie geboren. Ihre Kindheit war zum einen von der Geborgenheit im Haus der Großeltern geprägt, zum anderen aber seit 1933 auch von einem ständigen Gefühl der Angst. Tief eingeprägt haben sich ihr die Erlebnisse rund um die Reichspogromnacht 1938. 1939 gelingt es der Familie, mithilfe einer Tante in die USA zu fliehen. Mit Deutschland bricht sie ganz, die USA - insbesondere Chicago - werden ihr zur neuen Heimat. Über ihren Mann Bob bestehen Kontakte nach Israel, wohin sie später übersiedelt. Und auch nach Deutschland reist sie in hohem Alter noch einmal. Sie starb am 7. März 2020.

Interview am 21. Juli 2013 in Regba, Israel

Ben Lesser

Ben Lesser ist elf Jahre alt, als die Deutschen in Krakau einmarschieren und er entsetzliche Gräueltaten der deutschen Soldaten mit ansehen muss. Die Familie entgeht zunächst dem Ghetto durch einen Umzug aufs Land. Doch die Ruhe währt nicht lange. Schon bald landet die Familie im berüchtigten Ghetto Bochnia, wo sich erneut unglaubliche Gräueltaten abspielen. Einem Teil der Familie gelingt die Flucht nach Ungarn, doch die Eltern werden verraten. Aber auch in Ungarn ist Ben Lesser nicht lange sicher, und er kommt mit den übriggebliebenen Familienmitgliedern nach Auschwitz. Mit Geschick und Klugheit schafft er es, sich und die Angehörigen vor den Gaskammern zu retten. Doch trotz aller Anstrengung sind am Kriegsende nur noch er und seine Schwester Lola am Leben. Nach seiner Emigration in die USA widmet Ben Lesser - stellvertretend für viele andere - sein Leben der Erinnerung.

Vortrag (Englisch mit Übersetzung) am 27. Januar 2018 in Bad Liebenzell, Deutschland

Ben Lesser

Ben Lesser ist elf Jahre alt, als die Deutschen in Krakau einmarschieren und er entsetzliche Gräueltaten der deutschen Soldaten mit ansehen muss. Die Familie entgeht zunächst dem Ghetto durch einen Umzug aufs Land. Doch die Ruhe währt nicht lange. Schon bald landet die Familie im berüchtigten Ghetto Bochnia, wo sich erneut unglaubliche Gräueltaten abspielen. Einem Teil der Familie gelingt die Flucht nach Ungarn, doch die Eltern werden verraten. Aber auch in Ungarn ist Ben Lesser nicht lange sicher, und er kommt mit den übriggebliebenen Familienmitgliedern nach Auschwitz. Mit Geschick und Klugheit schafft er es, sich und die Angehörigen vor den Gaskammern zu retten. Doch trotz aller Anstrengung sind am Kriegsende nur noch er und seine Schwester Lola am Leben. Nach seiner Emigration in die USA widmet Ben Lesser - stellvertretend für viele andere - sein Leben der Erinnerung.

Vortrag am 25. Januar 2018 in Nagold, Deutschland

Ella Liebermann-Shiber

Ella Liebermann-Shiber hat ihre schrecklichen Erlebnisse mit Zeichnungen verarbeitet, zu denen sie ihre Geschichte erzählt.

Illustrations-Serie »Am Rande des Abgrunds«

Alda M.

Die 1927 geborene Alda M. wächst in der italienischen Küstenstadt Livorno (Italien) auf. Ihre Familie hat nicht nur jüdische Wurzeln, sondern auch schottische. Mehrere Verwandte sind engagierte Sozialisten, weshalb Alda ganz unterschiedliche Prägungen mit auf ihren Lebensweg mitbekommt. Ihre Familie ist angesehen und wohlhabend. Eines der einschneidendsten Erlebnisse ihrer Kindheit und Jugend ist, wie Menschen, die vorher um die Bekanntschaft mit ihrer Familie gebuhlt haben, mit dem Aufstieg Mussolinis plötzlich nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchten. Sie selbst hat einen starken Gerechtigkeitssinn und scheute sich schon als Kind nicht davor, den Mund aufzumachen. Auch einen verwundeten deutschen Soldaten rettet sie bei einem Luftangriff in Siena, wo die Familie die Jahre 1944/45 bei Verwandten verbringt, das Leben.

Interview am 24. März 2017 in Shavei Zion, Israel

Vardit Meir

Vardit Meir ist neun Jahre alt, als die Familie in den Geburtsort des Vaters nach Holland flüchtet. Doch die Ruhe in der neuen Heimat währt nicht lange, denn 1940 marschieren die Deutschen auch dort ein. Schon sehr früh wird der Vater abgeholt und auch der Weg der Mutter führt ins Konzentrationslager. Zwei Geschwister und Vardit selbst können untertauchen, doch die Familie wird auseinandergerissen. Vardit Meir findet an 14 verschiedenen Plätzen Unterschlupf. Aber als Kind so ganz auf sich allein gestellt, fühlt sie sich oft einsam. Umso größer ist ihr Glück, als sie die beiden überlebenden Geschwister am Ende des Kriegs wiederfindet. 1948 emigriert Vardit Meir nach Israel und gründet dort eine große Familie. Zu mehreren Menschen, die ihr geholfen haben, hält sie lebenslangen Kontakt.

Interview am 22. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Ruth Michel

Ruth Michels Vater ist Jude, weshalb ihre Familie mit dem Aufkommen der Rassegesetze von Königsberg in das damals polnische Dorf Mikuliczyn übersiedelt. Doch als die Deutschen einmarschieren sind sie auch dort bedroht. Der Vater verlässt seine Frau und die beiden Töchter, um seine Familie zu schützen. Die Verantwortung zur Versorgung der Familie mit Lebensmitteln überträgt er dabei der 13jährigen Ruth. Doch die Deutschen sind gründlich, und im Dezember 1941 werden alle jüdischen Bewohner des Dorfes - auch ihr Vater - verschleppt und hingerichtet. 2010 kehrte Ruth Michel an den Tatort zurück und pflegt ihn seitdem als Gedenkstätte

Vortrag am 28. Januar 2020 in Wildberg, Deutschland

Ruth Michel

Ruth Michels Vater ist Jude, weshalb ihre Familie mit dem Aufkommen der Rassegesetze von Königsberg in das damals polnische Dorf Mikuliczyn übersiedelt. Doch als die Deutschen einmarschieren sind sie auch dort bedroht. Der Vater verlässt seine Frau und die beiden Töchter, um seine Familie zu schützen. Die Verantwortung zur Versorgung der Familie mit Lebensmitteln überträgt er dabei der 13jährigen Ruth. Doch die Deutschen sind gründlich, und im Dezember 1941 werden alle jüdischen Bewohner des Dorfes - auch ihr Vater - verschleppt und hingerichtet. 2010 kehrte Ruth Michel an den Tatort zurück und pflegt ihn seitdem als Gedenkstätte

Vortrag am 27. Januar 2020 in Bad Liebenzell, Deutschland

Rachel Miller

Rachel Miller erlebt eine behütete Kindheit. Der Vater ist Militärarzt und hat hohe Ansprüche an seine Tochter. Als ihre Schule für jüdische Kinder geschlossen wird, nimmt ein katholischer Priester sie an seiner Schule auf. Bald darauf folgt die Deportation der gesamten Familie nach Theresienstadt. Rachel Miller ist zwar noch ein Kind, doch weil sie geschickt ist und schnell lernt, kann sie in der Landwirtschaft arbeiten. Die Bauern würden sie gerne bei sich behalten, aber als ihre Familie nach Auschwitz gebracht werden soll, entschließt sie sich mitzugehen. In Auschwitz wird sie von der restlichen Familie getrennt. Diesen Ort beschreibt sie als Hölle. Ein wenig Mitmenschlichkeit erlebt sie dagegen in der Begegnung mit einem SS-Mann während des Transports nach Bergen Belsen und zwei Wachfrauen im dortigen Lager.

Interview am 19. Mai 2019 in Maalot, Israel

Mordechai Papirblat

Mordechai Papirblat gelingt als 17-Jährigem die riskante Flucht aus dem Warschauer Ghetto zu Verwandten auf´s Land. Doch anstatt dort einen Zufluchtsort für die Familie vorbereiten zu können, werden auch dort die Juden verfolgt und er landet 1942 in Auschwitz. Dass er sich durch praktische Arbeit und Beobachten im Dorf viel handwerkliches Geschick angeeignet hat, das kommt ihm im Lager mehrmals zugute. Mit Geschick und List schafft er es immer wieder sich (und andere) aus bedrohlichen Situationen herauszumanövrieren . Mit dem ihm eigenen Humor und seinem eisernen Willen trotzt er Willkür und Hunger. Im Januar 1945 kann er vom Todesmarsch fliehen, und kehrt durch Schnee und Kälte in seine Heimatstadt heim. Aber von der einst großen Familie ist nur er allein übriggeblieben.

Vortrag am 13. Oktober 2015 in Bad Liebenzell, Deutschland
(Hebräisch mit dt. Übersetzung)

Mordechai Papirblat

Der 1923 geborene Mordechai Papirblat wird als 17Jähriger ins KZ Auschwitz eingeliefert, zuvor war er aus dem Warschauer Ghetto geflohen. Vor dem Krieg hatte er sich viel handwerkliches Geschick durch Arbeiten, aber auch durch Beobachten angeeignet. Das kommt ihm Lager zugute, wo er an verschiedenen Stellen zur Arbeit eingeteilt wird. Mit Geschick und List schafft er es immer wieder sich (und andere) aus bedrohlichen Situationen herauszumanövrieren – aber nicht immer. Mit Humor und eisernem Willen trotzt er Willkür und Hunger. Im Januar 1945 kann er vom Todesmarsch fliehen, und kehrt durch Schnee und Kälte in seine Heimatstadt heim. Aber von der einst großen.

Vortrag am 21. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Mirjam Pollin

Obwohl Mirjam Pollin in keinem KZ und keinem Ghetto war, hat der Holocaust doch auch in ihrem Leben viele Narben hinterlassen. Ausgrenzung und Einsamkeit prägten ihre Kindheit und Jugend. Zunächst in Deutschland, wo die Repressalien immer stärker wurden. Als Kind wurde sie einmal zum Brotkaufen geschickt. Doch im Laden wurde ihr von der Verkäuferin gesagt, dass sie an Juden nichts verkaufe. Der ganze Laden stand voll, aber nicht einer half ihr. Auch Schweden, wo sie die ersten Jahre bei Pflegeeltern unterkam, ehe sie mit 15 Jahren auf eigenen Füßen stehen musste, wurde ihr nie zur Heimat. Die Menschen dort hatten vor allem Angst, dass die Flüchtlinge ihnen die Arbeit wegnehmen würden. Auch Übergriffen war sie mehrfach ausgesetzt. Erst als sie ihren Mann, einen 19-Jährigen aus Berlin kennenlernt, findet sie die Sicherheit, die sie sich immer gewünscht hat. Bis heute nagen jedoch die Selbstvorwürfe an ihr, dass sie ihre Mutter allein in den Fängen der Nazis zurückgelassen hat.

Interview am 27. März 2017 in Shavei Zion, Israel

Ronny Reich

Ronny Reich wurde nach 1945 geboren, ist Archäologe und lebt in Modi'in in Israel. Er erzählt von seiner Mutter Herta Reich, die aus der österreichischen Stadt Mürzzuschlag stammt, von wo sie während des Zweiten Weltkrieges geflohen ist.

Interview am 28. März 2017 in Jerusalem, Israel
Berichtet von ihrem Sohn Ronny Reich

Mascha Schapirstein

Mascha Schapirstein wird in Tauroggen in Litauen geboren. Ihre an Tuberkulose erkrankte Mutter verliert sie schon sehr früh. Als die Nationalsozialisten die Herrschaft übernehmen ist eine medizinische Behandlung im angrenzenden Deutschen Reich nicht mehr möglich. Als Hitler beginnt, seinen Herrschaftsbereich auszudehnen, flieht der Vater mit der Restfamilie mitten in der Nacht. Unterwegs wird die 12Jährige Mascha von einem Bombensplitter getroffen. Letztlich fallen sie doch in die Hände der Nazis. Der Weg durch verschiedene Ghettos und Lager bringt für Mascha nicht nur den Verlust des Bruders und der Großmutter mit sich, sondern immer wieder auch körperliches Leid.

Nach Kriegsende kehren sie und ihr Vater in den Heimatort zurück, wo sie wenig freundlich aufgenommen werden und es schwer haben Arbeit zu finden. In den 1950er Jahren entschließen sie sich zur Auswanderung nach Israel.

Interview am 22. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Theresa Schwarzmann

Die Bilder, die Theresa schon als Kind mit ansehen muss, verfolgen sie ein Leben lang. Zusammen mit ihrer Mutter und der sechs Jahre älteren Schwester lebt sie in verschiedenen Ghettos und Lagern. Mehrmals ist sie Augenzeugin von Massenerschießungen. Die Menschen in ihrer Baracke sind von Krankheiten und Parasiten gezeichnet. Dass sie und einige andere diese Zustände überlebt haben, ist ihr fast unbegreiflich. Als sie kurz vor Kriegsende zusammen mit ihrer Schwester zu rumänischen Pflegeeltern kommt, hat sie das Gefühl, im Paradies zu sein. Nach dem Krieg kehrt Theresa Schwarzmann in ihre Heimat Tschernowitz (Ukraine) zurück. Nach dem frühen Tod ihres Mannes wandert sie 1981 nach Israel aus.

Interview am 21. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Chassia Selanski

In den Kriegsjahren 1941 bis 1945 muss die in Litauen geborene Chassia Selanski viele Schrecken miterleben, die ihr Leben bis ins hohe Alter prägen. Als sie neun Jahre alt ist, wird ihre Mutter durch ein Versehen deportiert und ermordet. Sie selbst kommt später zusammen mit ihrer Stiefmutter ins Lager, wo sie neben dem Hunger als ständigem Begleiter auch Schlägen durch die Aufseher ausgesetzt ist. Obwohl sie noch ein Kind ist, muss sie hart arbeiten und Schützengräben ausheben. Einmal muss sie mit ansehen, wie ihre Stiefmutter fast totgeprügelt wird. In schlimmer Erinnerung ist ihr auch, als sie von den Deutschen mit nichts in den Wald geführt werden, und dort eine Woche lang ohne Essen, Decken u.a. ausharren müssen. Nach dem Krieg findet die Familie wieder zusammen und bleibt zunächst in Wilna (Vilnius, Litauen) wohnen.

Interview am 21. Juli 2013 in Shavei Zion, Israel

Philipp Sonntag

»Antisemitimus in Deutschland aus Sicht eines Child Survivors« heißt der Vortrag von Dr. Philipp Sonntag am 17. September 2019 in Bad Liebenzell.

Vortrag am 17. September 2019 in Bad Liebenzell, Deutschland

Asher Ud

Asher Ud kam 1928 in der kleinen Stadt Zduńska Wola in Polen zur Welt. 1940 wurde er mit seiner Familie ins Ghetto umgesiedelt. Erst wird der Vater abtransportiert, dann verlieren sich auch die anderen Familienmitglieder. Schon früh ist Asher Ud somit auf sich allein gestellt. Noch ein Kind und schwer krank, versucht er sich mit Arbeit durchzuschlagen. 1944 kommt er nach Auschwitz, wo er auf seinen älteren Bruder Berl trifft. Er überlebt den Todesmarsch und wird am Kriegsende aus dem KZ Gunskirchen befreit. Noch 1945 wandert Asher Ud als Jugendlicher nach Israel aus und baut sich dort ein neues Leben - zuerst beim Militär, dann als Schlosser - auf. Bis er seinen Bruder wiederfindet, dauert es fast 40 Jahre. Erst in fortgeschrittenem Alter beginnt er über sein Schicksal zu sprechen. Am 29. August 2016 verstirbt Asher Ud in Jerusalem.

Vortrag am 27. Januar 2015 in Bad Liebenzell, Deutschland