Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten

Kapitel 12.3

Zuteilung eines Blocks (15. Juli 1942)

Am folgenden Tag wurden den Garbatkaer Juden ihre „Blöcke“ (Häuser) und „Stuben“ (Unterkunftsräume) zugeteilt. Die Stuben waren mit dreistöckigen Holzpritschen vollgestellt. Je drei Häftlinge teilten sich eine Ebene. Die Gänge zwischen den Stockbetten waren so schmal, dass der Platz nicht ausreichte, wenn am Morgen alle gleichzeitig aufstehen mussten. In jedem Block waren 600 bis 800 Menschen zusammengepfercht. Die Zahlen konnten stark wechseln. Wenn neue Transporte ankamen, stiegen die Belegungszahlen und es wurde eng. Von Tag zu Tag lichteten sich dann die Reihen wegen der hohen Sterbezahlen. Polnische Häftlinge waren als Blockälteste und zum Stubendienst eingesetzt. Sie hatten das Sagen in ihrem jeweiligen Bereich, waren gleichzeitig jedoch gegenüber der SS verantwortlich.

Abbildung 1: Block 18, Auschwitz I-Stammlager; 2019.

Mit der Zuteilung auf die Stuben mischten sich die Juden aus Garbatka mit den anderen Häftlingen. Nun begann für sie der „Lageralltag“. Mordechai kam in Block 18 (Erdgeschoss), Stube 3. Da in Block 18 die meisten Häftlinge Juden waren, galt er als „Juden-Block“.1

Vgl. Mordechai Papirblat, 900 Tage in Auschwitz, 2020, S. 140 – 143.

1Abb. 1: Foto, Auschwitz I-Stammlager, Thorsten Trautwein, 2019 (Lage vgl. Kap. 13.2 Abb. 2).

Autor: Thorsten Trautwein, 06.06.2020