Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten

Kapitel 13.4

KZ Auschwitz III-Monowitz

Stark subventioniert von der Reichsregierung baute die I. G. Farben AG seit April 1941 ein großes Fabrikareal (sog. Buna-Werke) für synthetischen Kautschuk und Benzin bzw. Heizöl im Ort Monowitz (poln. Monowice). Im März 1941 hatten sich die I. G. Farben AG und SS auf eine Zusammenarbeit geeinigt. I. G. Farben bezahlte drei Reichsmark am Tag je Hilfsarbeiter und vier Reichsmark je Facharbeiter. Die Arbeitszeit lag im Winter bei neun Stunden am Tag und im Sommer bei zehn Stunden am Tag. Transport und Verpflegung übernahm die SS. Zunächst kamen die Zwangsarbeiter aus dem Stammlager Auschwitz, das allerdings 6 km entfernt lag (siehe Kap. 13.2 Abb. 1). Am 28. Oktober 1942 wurde darum das sog. „Lager Buna“ in Betrieb genommen. Es war ein von der I. G. Farben finanziertes Arbeitslager, das zum Konzentrationslagerkomplex Auschwitz gehörte und später als Auschwitz III bezeichnet wurde. Ab November 1943 diente es als Stammlager für weitere Nebenlager. Es umfasste 11.000 bis 14.000 Zwangsarbeiter.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der Häftlinge auf der Baustelle lag bei drei bis vier Monaten, dann waren die Häftlinge völlig ausgezehrt und fielen der Selektion als nicht mehr arbeitsfähig zum Opfer. Zwischen SS und der Privatwirtschaft führte dies zu einem Konflikt. Die SS wollte die Häftlinge durch Arbeit „vernichten“, die Wirtschaft dagegen brauchte arbeitsfähige und eingelernte Arbeitskräfte.
1944 war der Industriekomplex die größte Baustelle Europas. Das Werk nahm allerdings nie seine Produktion auf.1

Abbildung 1: I. G. Farbenwerke, Auschwitz-Monowitz, 1941.

Mordechai Papirblat musste in einem seiner ersten Arbeitskommandos im Juli 1942 auf der Baustelle der Buna-Werke arbeiten:

Vgl. Mordechai Papirblat, 900 Tage in Auschwitz, 2020, S. 146 – 149.150f.154.

In seinem Buch schreibt er auf S. 146, dass die Buna-Werke 40 km entfernt gelegen hätten. Von Auschwitz nach Dwory (S. 147) sind es jedoch nur 6 – 7 km.

Zum ganzen Kapitel:
Das KZ Auschwitz 1942 – 1945 und die Zeit der Todesmärsche 1944/45, bearb. von Andrea Rudorff, VEJ 16, Berlin/Boston 2018.
Laurence Rees, Auschwitz. Geschichte eines Verbrechens, 7. Aufl., Berlin 2018.
Nikolaus Wachsmann, KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, bpb Schriftenreihe Bd. 1708, Bonn 2016.
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz_III_Monowitz (14.04.2020).
https://de.wikipedia.org/wiki/Buna_(Kautschuk) (14.04.2020).
http://auschwitz.org/en/ (04.01.2019).

1Abb. 1: Foto, unbekannter Autor, 1941, Bundesarchiv, Bild 146-2007-0057, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5420106 (22.01.2020).

Autor: Thorsten Trautwein, 06.06.2020