Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten

Kapitel 41

Rückkehr nach Tel Aviv und zur Zeitung „Jedi’ot Acharonot“

Ende 1949 – eineinhalb Jahre nach Kriegsbeginn – kehrte Mordechai nach Tel Aviv zurück, wo er wieder seine Arbeit bei der Zeitung Jedi‘ot Acharonot aufnahm.
Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte veränderten sich die Drucktechnik und das Zeitungswesen enorm weiter. Mordechai machte alle diese Veränderungen mit und entwickelte sich in der Firma weiter. Er erhielt immer mehr Verantwortung fürs Layout der Seiten (mise-en-page) und war schließlich für das Layout der Titelseite zuständig.

Mordechai blieb in Tel Aviv und er blieb bei der Zeitung Jedi‘ot Acharonot bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1990 – insgesamt 42 Jahre lang. Er war angekommen und erlebte drei Generationen der Eigentümerfamilie Mozes: Yehuda Mozes, Noah Mozes und Arnon Mozes!

Abbildung 1: Mordechai der Schriftsetzer. Skulptur im Eingangsbereich des Jedi'ot Acharonot-Hauses; 2019.
Abbildung 2: Mordechai besucht Jedi'ot Acharonot; 2017.
Abbildung 3: Mordechai vor seiner Darstellung auf der Wandgestaltung; 2017.

Als die Zeitung Jedi’ot Acharonot ihr neues Gebäude gebaut hat, wurde der Eingangsbereich in besonderer Weise gestaltet, die die Geschichte der Herstellung einer Zeitung aufnahm. Zwei Installationen stellen die alte Drucktechnik mit Setzkasten und Druckerpresse dar, an der Wand wird die Entwicklung hin zur neuesten Technik in einer über 6 Meter hohen Wandgestaltung aufgenommen. Die Zeitung schätzte und ehrte Mordechai für seine jahrzehntelangen Dienste bei Jedi’ot Acharonot. Er ist der Mitarbeiter, der am längsten bei ihr gearbeitet hat. Darum ist er einerseits in einer 2 Meter großen Plastik als Schriftsetzer dargestellt1 und ebenso markant in der Wandgestaltung.2

Allerdings arbeitete Mordechai nicht freiwillig so lange bei der Zeitung – bis zu seinem 67. Lebensjahr. Das Problem war immer noch das Geburtsdatum, das in seinen Ausweisen stand: 1927 (siehe Kap. 36.2)! Entsprechend dieses Geburtsjahres war er im Jahr 1990 erst 63 Jahre alt. Trotz mehrerer Versuche war es ihm nicht gelungen, das Datum in seinen amtlichen Papieren zu ändern. Spaßeshalber sagt er heute, dass er deshalb so alt werde, damit die Rentenkasse lange zahlen müsse!

Fotos: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Yedioth_Ahronoth.

1Abb. 1: Avishai Teicher, 17.06.2019, Pikiwiki Israel, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PikiWiki_Israel_54194_yedioth_ahronoth_building.jpg (05.08.2020).
2Abb. 2 und 3: Fotos, Shlomo Papirblat, 2017.

Autor: Thorsten Trautwein, 04.08.2020